Es ist Herbst und die Tage werden kürzer. In Schweden beginnt nun die Zeit der Jagd auf Elche. Werfen wir einen kleinen Blick auf diese in Deutschland fast vergessen Art.
Steckbrief: Der Elch (Alces alces)
- Größe: Der Elch ist die größte Hirschart der Welt. Bullen erreichen bis zu etwa 2 Meter Schulterhöhe.
- Gewicht: Bullen wiegen häufig 300 bis 500 kg, Kühe etwas weniger.
- Geweih: Nur Bullen tragen das Schaufelgeweih. Es wird jedes Jahr im Winter abgeworfen und wächst im Frühjahr neu, in kaum fünf Monaten.
- Nahrung: Im Sommer fressen Elche Laub, Kräuter und Wasserpflanzen, im Winter vor allem Zweige und Knospen von Kiefer, Birke und Weide.
- Fortpflanzung: Die Brunft liegt im September und Oktober. Nach rund acht Monaten Tragzeit bringt die Kuh ein bis zwei Kälber zur Welt.
- Lebensraum: Nordische Wälder, Moore und Seenlandschaften. Elche sind Einzelgänger und erstaunlich gute Schwimmer.
Das „Elendthier” in alten Büchern
Vor über 200 Jahren beschrieb der Gelehrte Johann Georg Krünitz das Tier in seiner „Oeconomischen Encyclopädie” unter dem Stichwort „Elendthier”. Vieles trifft bis heute zu:
- Größe: Das Tier sei „groß, ansehnlich und stark, wie ein mittelmäßiges Pferd”. Tatsächlich überragt ein Elchbulle jedes Pferd.
- Nase: Die Nasenlöcher seien so weit, „daß man ohne viele Mühe, beyde Fäuste, bis über die Knöchel, in beyde Naselöcher stecken kann”. Das ist übertrieben, aber die mächtige Elchnase ist bis heute sein Markenzeichen.
- Gebiss: Die Zähne seien so scharf, „damit sie die Baumrinden geschickt abfressen können”. Das passt zur Winternahrung aus Zweigen und Rinde.
- Sprache der Jäger: Krünitz nennt die Männchen „Elend=Hirsche”, bei preußischen Jägern „Elendochsen”. Die Weibchen heißen „Elendkühe”, die Jungen „Elendkälber”. Heute sprechen wir von Elchbulle, Elchkuh und Elchkalb.
- Name: Das Wort „Elend” hat mit Unglück nichts zu tun. Krünitz verweist auf das slawische „Jelen”, den Hirsch. Dass der Kopf auf ihn „niedergeschlagen und blöde” wirkte, bleibt ein Irrtum des Betrachters.
Von der Steinzeit bis heute
Schon vor Jahrtausenden war der Elch für die Menschen Nordeuropas überlebenswichtig. Felszeichnungen in Skandinavien zeigen ihn eindrucksvoll, und archäologische Funde belegen, dass er mit Speeren, Pfeil und Bogen sowie mit Fanggruben erlegt wurde. Fleisch, Fell, Knochen und Sehnen wurden restlos genutzt.
Heute ist die Elchjagd streng geregelt.
Die Jagdgebiete erhalten Abschussquoten, die sich am Bestand und an den Waldschäden orientieren. Gejagt wird im Team unter einem Jagdleiter, oft mit speziell ausgebildeten Elchhunden. Kälber und Kühe werden gezielt mitbejagt, damit der Bestand gesund bleibt und ein guter Altersaufbau erhalten wird. Sichere Schussabgabe, Tierschutz und sorgfältige Wildbrethygiene sind selbstverständlich.
Der Gemeinschaftsgedanke der Steinzeit lebt dabei fort: Jeder erlegte Elch wird in wechselnden Teams zerlegt, und jeder Teilnehmer erhält gleiche Anteile und gleiche Stücke. Niemand geht leer aus, und alle packen mit an.
Wissen aus erster Hand
Für unsere Dozentin für Wildbiologie, Dr. Ariane J. Schmidt, ist der Elch mehr als Lehrstoff. Ihr Vater reist seit 1986 jedes Jahr zur Elchjagd nach Schweden und hat dafür sogar Schwedisch gelernt. So wuchs die promovierte Biologin von Kindheit an mit Elch, Jagd und nordischer Natur auf. Diese Leidenschaft und ihr Fachwissen gibt sie in ihren Kursen weiter, praxisnah, verständlich und mit Begeisterung.
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Quelle: Johann Georg Krünitz, Oeconomische Encyclopädie, Stichwort „Elendthier”, Band 10, kruenitz1.uni-trier.de







